Erdöl ist ein überwiegend aus Kohlenwasserstoffen bestehendes Stoffgemisch, welches in der Erdkruste eingelagert ist. Rohes Erdöl ist mit mehr als 17.000 Bestandteilen eines der komplexesten Mischungen der organischen Stoffe, die ein natürliches Vorkommen haben. Derzeit ist Erdöl der wichtigste Rohstoff der modernen Industriestaaten und besitzt eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung zur Erzeugung von Treibstoffen sowie für die chemische Industrie. Die Erdölvariationen reichen von transparent und dünnflüssig bis tiefschwarz und dickflüssig.
Der typische Geruch des Erdöls rührt von den enthaltenen Schwefelverbindungen her. Die Farbe sowie die Konsistenz des Erdöls hängen von der geografischen Herkunft ab. Erdöl wurde bereits vor einigen tausend Jahren gefunden, besonders im Vordern Orient, hier vor allem in Mesopotamien, wurde vor 12.000 Jahren Erdöl als Bitumen entdeckt. Schnell lernten die Menschen die Eigenschaften des Naturproduktes kennen und erhielten durch das Vermischen von Erdöl mit Sand, Schilf und anderen Materialien eine Masse, um Schiffsplanken abzudichten. Das babylonische Wort „naptu“ bedeutet „leuchten“ und deutet darauf hin, dass das Erdöl dort schon früh zu Beleuchtungszwecken diente. Die Babylonier deckten auch die wichtigen Straßen und Zufahrten mit einer dünnen Asphaltschicht aus Bitumen ab.
Ein weiterer Begriff, der auf die frühe Verwendung von Erdöl hinweist, ist „Petroleum“. Es ist römischen Ursprungs und bedeutet „Stein- oder Felsöl“. Die Entdeckung geht auf die Römer in Ägypten zurück, wo am Golf von Suez Erdöl aus dem Gebirge austrat. Zudem gibt es Vermutungen, dass die Römer Erdöl als Schmierstoff für Achsen und Räder benutzten. Erdöl diente im Byzantinischen Reich als Kriegswaffe in Form von Flammenwerfern.
Im 19. Jahrhundert begann allerdings erst die eigentliche Ausbeutung der Erdöllagerstätten. Hintergrund hierfür war die Suche nach einem Lampenbrennstoff, da Walöl sehr teuer war, Talkkerzen einen unangenehmen Geruch hatten und Gasflammen nur in modernen Häusern zu finden waren. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten verschiedene Wissenschaftler Verfahren zur kommerziellen Nutzung von Erdöl. 1852 erwarb der Arzt und Geologe Abraham Gesner ein Patent auf die Herstellung eines relativ sauer brennenden Brennstoffes aus Roherdöl für Lampen, das Petroleum.
Der Chemiker Benjamin Silliman schlug 1855 vor, Erdöl mit Schwefelsäure zu reinigen und es dann als Brennstoff zu verwenden. So begann die Suche nach größeren Erdöllagerstätten und 1856 begannen die ersten direkten Bohrungen nach Öl im Dithmarschen und bei Witze in Niedersachsen. Weltberühmt sind die Ölbohrungen von Edwin L. Drake 1859 am Oil Creek in Pennsylvania, die große Mengen Öl ans Tageslicht förderten. Daraufhin nahmen die Raffinerien zu und die Preise sanken deutlich. Als es dann das elektrische Licht gab, war Erdöl nicht mehr so attraktiv, was sich jedoch mit der Entwicklung des Automobils sehr schnell änderte. Die Familie Rockefeller, die Mitbegründer der Standard Oil Company war, setzte die Verwendung des Erdölprodukts Benzin als Treibstoff durch. Ursprünglich hatte Henry Ford hierfür Ethanol gedacht.
Wie bereits erwähnt, stellt Erdöl momentan den wichtigsten Rohstoff der modernen Industriegesellschaft dar. Es ist zur Erzeugung von Elektrizität und als Treibstoff fast aller Verkehrs- und Transportmittel von enormer Bedeutung. Zudem wird Erdöl in der chemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoffen und anderer Chemieprodukte verwendet. Da Erdöl so ungemein wichtig ist, wird es auch oft „schwarzes Gold“ genannt. Des weiteren ist Erdöl auch ein Gegenstand der Spekulation und wird an der Börse gehandelt. Als zentraler Rohstoff beeinflusst der Ölpreis auch die allgemeinen Börsenkurse, da viele Branchen vom Ölpreis abhängig sind.
Die bestätigten Weltreserven wurden 2004 je nach Quelle auf 1.260 Milliarden Barrel bzw. auf 1.148 Milliarden Barrel berechnet. Die Reserven im Nahen Osten, Ostasien und Südamerika sanken aufgrund Erschöpfung von Lagerstätten, während sie in Afrika und Europa leicht anstiegen. Experten sagen voraus, dass vermutlich die Erdölreserven nur noch 50 Jahre lang den Weltverbrauch decken. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass aus politischen Gründen solche Zahlen oft verfälscht werden. Zudem schätzen unabhängige Experten, dass im ersten bzw. zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts das Ölfördermaximum erricht wird, d.h. dass weltweit die Förderungen von Erdöl nicht mehr erhöht werden können.Die Folge ist, dass der Ölpreis in hohem Maße steigen wird, da bei einem ständig wachsenden Verbrauch das Angebot die Nachfrage nicht mehr decken kann. Bisher wurden weltweit ungefähr 900 Milliarden Barrel Erdöl gefördert. Die jährliche Förderung liegt bei 30,4 Milliarden Barrel, während der tägliche Verbrauch weltweit bei 84 Millionen Barrel liegt. Derzeit steigt der Weltverbrauch um 2% pro Jahre an. Da also das Erdölvorkommen in naher Zukunft erschöpf sein wird, gewinnen regenerative Energieformen wie z.B. Biodiesel und Pflanzenöl eine immer größere Bedeutung.



