Erdgas ist ein brennbares Naturgas und kommt in unterirdischen Lagerstätten vor. Da es auf ähnliche Weise wie Erdöl entsteht, tritt es auch mit ihm zusammen auf. Überwiegend bestehen Erdgase aus Methan, jedoch unterscheiden sie sich in ihrer weiteren chemischen Zusammensetzung. Je nach Fundstätte schwankt die chemische Zusammensetzung erheblich. Grundsätzlich ist der Hauptbestandteil von Erdgas Methan, obwohl es auch größere Anteile von Kohlenwasserstoffen wie Ethan, Propan, Butan und Ethan enthalten kann. Ein weiterer Bestandteil ist Schwefelwasserstoff und 9% Kohlendioxid. Der Schwefelwasserstoff wird durch die Entschwefelung des Erdgases entfernt und das Kohlendioxid wird an die Luft abgegeben, da es für die Gewinnung von Energie wertlos ist.
Wertvoll sind Erdgase mit einem Anteil von 7% Helium, da sie die Hauptquelle der Heliumgewinnung darstellen. Erdgas bildet sich unter Ausschluss von Luft bei erhöhten Temperaturen und hohem Druck aus abgestorbenen Kleinstlebewesen wie Mikroorganismen, Algen und Plankton. Diese Kleinstlebewesen sind auf den Grund der früheren Ozeane abgesunken und dann von undurchlässigen Schichten überdeckt worden. Im Anschluss setzten chemische Prozesse ein, die zur Bildung von Erdgas führten.
Das heute verfügbare Erdgas ist zum Grossteil vor 15 bis 600 Millionen Jahren entstanden. In der Regel gibt es Kohlenwasserstofffelder, die Erdöl und Erdgas enthalten. In Europa wurde im Gebiet des Wiener Ostbahnhofes 1844 erstmals Erdgas gefunden. Im Jahre 1892 folgten Funde bei Wels. Große Gasfelder gibt es in Norwegen, Katar und in Russland. Des weiteren werden im Iran große, noch nicht erschlossene Felder vermutet. Durch Bohrungen wird das Erdgas gewonnen und durch technische Verfahren in andere Aggregatzustände versetzt, sodass ein Transport ohne Pipelines möglich ist. Bei der Aufbereitung des Erdgases ist die Trocknung, also der Entzug von Wasser, ein wesentlicher Vorgang. Die Trocknung verhindert die Bildung von Methanhydraten, die die Armaturen einer Pipeline verunreinigen und beschädigen. Zudem gewährleistet die Trocknung einen gleichbleibenden Brennwert bei der Einspeisung in das öffentliche Netz.
Im Jahre 2004 betrug die weltweite Förderung von Erdgas, abzüglich des zurückgepressten Gases und des Eigenverbrauchs, ungefähr 2.689 Milliarden m³. Die Hauptförderer hierbei waren mit 22% Russland und mit 20% die USA. Weitere wichtige Förderer von Erdgas sind Kanada, Großbritannien, Algerien, Indonesien, Niederlande, Norwegen, Usbekistan, Iran, Argentinien, Mexiko, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Malaysia. Erdgas deckt ca. 24% des Energieverbrauchs weltweit. Im Jahre 2004 beliefen sich die weltweit nachgewiesenen Erdgasreserven auf 170.942 Milliarden m³. Nach den Hochrechnungen von 2004 sollen diese Reserven noch knapp 67 Jahre reichen.
Der Erdgas-Anteil am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland betrug 2004 ca. 22,5%. 53% aller privaten Haushalte wurden mit Erdgas beheizt. Die wichtigsten Erdgaslieferanten für Deutschland sind Russland, Norwegen und die Niederlande. Ein Fünftel des Bedarfs wird in Deutschland, überwiegen in Norddeutschland, selber gefördert. 2010 soll in Deutschland mit der politisch umstrittenen „Nordeuropäischen Gasleitung“ die Erdgasversorgung weiter gesichert werden. Die Pipeline zwischen Russland und Greifswald kann etwa die Hälfte des derzeitigen Jahresbedarfs in Deutschland decken. Seit mehr als 25 Jahren wird überlegt, ob bei Wilhelmshaven ein Terminal für Flüssigkeitstanker gebaut werden soll. So kann die Abhängigkeit von Importen über Pipelines reduziert werden. Derzeit werden in Untergrundspeichern in Deutschland rund 18,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas gelagert, um kurzfristige Importstörungen und Bedarfsschwankungen auffangen zu können. In Deutschland unterliegt die Verwendung von Erdgas einer Erdgassteuer, deren Normalsatz derzeit bei 5,50€ pro Megawattstunde liegt. Des weiteren spielt die Ölpreisbindung bei der Preisbildung für Erdgas eine entscheidende Rolle. Zu den wichtigsten Verwendungsgebieten für Erdgas zählt der Einsatz in Gasturbinenkraftwerken.
In Deutschland werden diese Anlagen überwiegend zur Deckung von Spitzenlasten verwendet. Grund hierfür ist, dass die Gasturbinen eine hohe Schnellstarfähigkeit besitzen und somit eine Betriebsreserve für weniger schnell ersetzbare Dampfkraftwerke darstellen. Seit einigen Jahren wird Erdgas auch als Treibstoff für Kraftfahrzeuge verwendet. Erdgas wird an Tankstellen als H-Gas und als L-Gas verkauft. Das H-Gas besitzt einen etwas höheren Energiegehalt als das L-Gas, der bei einem Kilo Erdgas ca. 1,5 Litern Benzin bzw. 1,33 Litern Diesel entspricht. In Deutschland waren im Oktober 2006 bereits mehr als 50.000 mit Erdgas betriebene Fahrzeuge zugelassen und es gab mehr als 700 Erdgastankstellen bundesweit. Die Tendenz ist steigend. Hierbei liegt der klare Vorteil in der Steuerbegünstigung.
Mit dem „Gesetz zur Fortentwicklung der ökologischen Steuerreform“ senkte die Bundesregierung den Normal-Steuersatz für alle Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr mit Erdgas bis 2020 und mit Flüssiggas bis 2009. Im Jahre 2006 gab es eine Überarbeitung, sodass beides gleichermaßen bis 2018 steuerlich begünstigt ist. Im Vergleich zu einem Liter bleifreien Benzin ermäßigt sich somit der Preis um rund 50 Cent. Seit 1995 bietet auch die Automobilindustrie serienmäßig Erdgas-Modelle an. Zudem besteht auch die Möglichkeit Benzinfahrzeuge auf Erdgas umzurüsten. Dies ist jedoch sehr aufwendig und kostet zwischen 2.000 und 4.000 Euro.



